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Slow Food Oberaargau: Perlen aus dem Oberaargauer Terroir

Heidelbeeren, Pilze und Bierwasser aus dem Langenthaler Tannenwald

Bei sengender Sommerhitze entpuppte sich der kühle Langenthaler Tannenwald am Samstag 4. Juli als perfektes Studienobjekt. Die Mitglieder von Slow Food Oberaargau lernten im internationalen Jahr des Bodens eine weitere Besonderheit des «Oberaargauer Terroirs» kennen. Diesmal in Begleitung des Langenthaler Pilzexperten Alfred Jörg.

Bereits auf dem kleinen Spaziergang durch den naturnahen Tannenwald zwischen Untersteckholzstrasse und Haslibrunnen waren die feinen Düfte der Tannen und Fichten ein Genuss. „Hier wachsen vor allem Pilzarten, die saure Böden mögen“ meinte Pilzexperte Alfred Jörg, der die Mitglieder von Slow Food Oberaargau durch den Wald mit auffällig vielen Heidelbeerpflanzen begleitete. „Dieser Flockenstielige Hexenröhrling hier kommt auch mit neutralen Böden zurecht“, meinte er beim Anblick eines braunen Hutpilzes. Kalkige Böden würden ihm aber nicht behagen und der später heranwachsende, ebenfalls essbare Maronenröhrling bevorzuge gar ganz saure Böden. So wie übrigens auch der tödlich giftige „Spitzgebuckelter Raukopf“, den Fachleute normalerweise nicht hier auf 490 m.ü.M. sonst in den sauren Moorgebieten der Voralpen suchen würden. Alfred Jörg, auch Langenthaler Pilzkontrolleur, machte auch auf andere Giftpilze und die grosse Bedeutung der Pilzkontrolle aufmerksam.

Des Rätsels Lösung liegt in den Urzeiten
Wieso diese Waldböden derart sauer sind, sahen die Slow Food Mitglieder auf der Grenzpfad-Thementafel „Tannenwald im Mittelland“ weiter oben im Wald bildlich dargestellt: In der letzten Eiszeit war das Gebiet zwischen Huttwil, Langenthal und Zofingen eisfrei geblieben. Anders als zum Beispiel bei Herzogenbuchsee oder Schötz (LU) wurde kein neues, kalkhaltiges Moränenmaterial abgelagert. Der leicht saure Regen hatte deshalb während rund 90‘000 Jahren Zeit, in den oberflächennahen Bodenschichten den Kalk zu lösen und die ton- und lehmhaltigen Böden abzusauern. Auch durch die stauende Wirkung von Ton und Lehm konnten sich in diesen sogenannten „Plateauwäldern“ seit jeher Tanne und Fichte gegenüber der Buche behaupten. Sogar das auf der Grenzpfad-Thementafel im Grossformat abgebildete, sonst winzige Peitschenmoos wurde vor Ort entdeckt und auch die eine oder andere Heidelbeere von den Spitzen der auffällig hohen Beerenstauden genascht.

Weiches Wasser zum Bier-Brauen
Zur Freude aller erwarteten nach dem Rundgang im Trog des Hasli-Brunnens verschiedene Sorten Hasli-Bier die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ihrer Herstellung gemeinsam ist das weiche Wasser aus diesem besonderen Waldabschnitt, das zum Brauen bestens geeignet ist. Dank der nachhaltigen Bewirtschaftung des naturnahen Tannenwalds liefern die Hasli-Quellen im Langenthaler Wald zuverlässig Brauwasser. Weniger um Bier, sondern mehr um Wurzelgemüse wie „Räben“, Haferwurz, Peterliknolle, usw. wird es am 30. Oktober beim nächsten Anlass von Slow Food Oberaargau gehen.

Werner Stirnimann

 

Pilzexperte Alfred Jörg brachte den Slow Food Mitgliedern die Pilze der sauren Waldböden näher. Als Pilzkontrolleur sortiert er auch recht häufig tödliche Pilze aus. Bild: Werner Stirnimann

 

Heidelbeeren wachsen auf sauren Waldböden, zum Beispiel rund um den Hasligraben. Von hier kommt das weiche Wasser für das Hasli-Bier her. Bild: Werner Stirnimann

 

Für einmal lagerte Hasli-Bier direkt im Hasli-Brunnen im Wald östlich von Langenthal. Bild: Werner Stirnimann

 

Das seltene Peitschenmoos verrät, dass im Langenthaler Wald seit jeher Tannen und Fichten wachsen. Andernorts im Mittelland wurden sie angepflanzt. Bild: Werner Stirnimann

 

Der Grenzpfad Napfbergland
An heissen Sommertagen bietet der Grenzpfad-Abschnitt Langenthal-St. Urban eine mehrheitlich schattige, abwechslungsreiche Wanderung. Ab Bahnhof Langenthal oder Bushaltestelle Tell/Kantonalbank gelangt man recht schnell zum Tierpark samt Spielplatz und von da in den kühlen Wald. Beim Hasli-Brunnen wartet ein Rastplatz. Oberhalb des Hasligrabens wächst das Millimeter grosse Peitschenmoos direkt am Grenzpfad. Wer es verpasst, findet auf der Grenzpfad-Thementafel Fotos und Informationen zu diesem seltenen Lebermoos sowie zur Pflanzengesellschaft der Plateau-Fichten-Tannenwälder. Weiter geht es am Probierloch vorbei zu den Gelbbauchunken in den Tümpeln des Roggwiler Ziegelwalds. Bis heute werden bei der Haltestelle St. Urban Ziegelei in Sichtweite zur Klosteranlage Backsteine hergestellt. Im 13. Jahrhundert waren es gar Zierbacksteine. Weiterführende Informationen zu diesen Themen finden sich auf www.grenzpfad.ch und in den Jahrbüchern des Oberaargaus (im Internet einsehbar).

 

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