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Wynauer Brunnenkressekultur in der «Arche des Geschmacks»

Am Freitag 28. April hielt der Verein Slow Food Oberaargau im Hotel Auberge in Langenthal seine fünfte Mitgliederversammlung ab. Das diesjährige Vereinsjahr steht unter dem Motto «Gartengenüsse!» Mit grossem Dank wurde das langjährige Vorstandsmitglied Urs Nyffeler verabschiedet.

Zur Freude der Vereinsmitglieder wurde die Wynauer Brunnenkressekultur kürzlich in die «Arche des Geschmacks» von Slow Food International aufgenommen. Mit der «Arche» will Slow Food auf die Existenz geschmacklich einzigartiger Lebensmittel und ihre Gefährdung aufmerksam machen und dazu motivieren, sich für den Fortbestand von Spezialitäten, Rassen, Sorten und Nutzungssystemen einzusetzen und davon zu erzählen. Die damalige Öffentlichkeitsarbeit von Slow Food Oberaargau fiel sehr schnell auf fruchtbaren Boden. Unterdessen wurde die Stiftung «Wasserland Oberaargau» gegründet und die langfristige Sicherung der Wynauer Brunnenkressekultur und damit eines kulinarischen Erbstücks ist auf sehr gutem Weg.

Bereits bei der Gründung im Jahr 2011 hatte der Verein Slow Food Oberaargau die unverkennbare Wynauer Brunnenkressekultur in den Mittelpunkt gerückt und ihr den allerersten Ausflug gewidmet. Denn ein Anbausystem dieser Art existiert in ganz Mitteleuropa nur im Oberaargau (siehe Kasten). Anders als in Südengland wird die Brunnenkresse in Wynau zudem noch sorgfältig von Hand geerntet.

Ein kulinarisches Erbstück mit langer Geschichte

Seit 1905 wird im bernischen Wynau die Brunnenkresse (Nasturtium officinale) angebaut. Zu Beginn wurde hier im Oberaargau Brunnenkresse aus wilden Beständen der näheren Umgebung in Kultur genommen und seither immer vegetativ vermehrt. Die Pflanzen wachsen in langsam fliessendem Quellwasser heran, das reich an Mineralien und besonders kalkhaltig ist. Dies ist die Grundlage für den unverkennbaren Geschmack, frisch genossen hat die Pflanze eine angenehme Schärfe.

Die Wurzeln der Brunnenkresse wachsen – wie beim Reis – unter der Wasseroberfläche. Die Pflanze gedeiht das ganze Jahr und kann 30 cm hoch geerntet werden. In Wynau wird diese Pflanze auf besonders nachhaltige Art angebaut; ohne jeglichen Einsatz von Dünger, Pumpen, usw. Wynau ist der einzige Ort in der Schweiz und einer der letzten Orte Europas, wo die Brunnenkresse noch traditonell im Wasser gezogen wird.

Die Blätter werden als Salat, für Suppen oder als Spinatersatz verwendet. Sie besitzen fiebersenkende, harntreibende und appetitanregende Eigenschaften, regen die Verdauung an und enthalten viel Vitamin C. Die Brunnenkresse ist in wenigen Läden der Region und in ausgewählten Schweizer Bioläden erhältlich.

Leider gibt es in der Gegend immer weniger Quellwasser, was auf die zunehmende Grundwassernutzung durch den Menschen zurück zu führen ist. Dadurch ist die Kultivierung nur noch in der Hälfte der Becken möglich. Ein Verlust dieses lokalen Nutzungssystems wäre auch für die lokale Identität ein grosser Verlust: Während den letzten vier Generationen haben die Einwohner des Oberaargaus die Wynauer Brunnenkresse auf ihrem Teller schätzen gelernt.

 

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